Ein bürokratisches Idiotenstück fernab jeglicher Vernunft spielt sich gerade im Kreis Euskirchen ab. Dort haben findige Theoretiker beschlossen, dass es wesentlich besser wäre, die dezentralisierten ARGEn aus den einzelnen Gemeinden abzuziehen und auf eine kleine Zahl von Knotenpunkten zu begrenzen. Davon betroffen ist auch mein Wohnort Kall.
Hier wurde jetzt eine zentrale ARGE für sämtliche Gemeinden eingerichtet. Hört sich prinzipiell ja unspektakulär an und, wegen des Arguments der ARGE Euskirchen, nach dem die Bearbeitung auf diese Weise zügiger vonstatten gehen sollte, sogar vernünftig.
Aber...
Die dezentrale ARGE der Gemeinde Kall war bislang in den Räumlichkeiten des Kaller Rathauses untergebracht, welches direkt an den Bahnhof grenzt. Das neue Gebäude, in dem die ARGE nun untergebracht ist befindet sich am äußersten Rand des Industrie- und Gewerbegebiets von Kall, fast 2km vom Bahnhof/Rathaus entfernt.
Das wäre prinzipiell noch nicht schlimm, sofern es eine Nahverkehrsanbindung gäbe. In Ermangelung einer solchen dürfen Hartz-IV-Empfänger von außerhalb sich jetzt zunächst einmal ortskundig machen, denn eine Beschilderung zur neuen ARGE ist nicht existent und die Institution selbst von außen nicht erkennbar, da sie sich in einem ausgebauten Fabrikgebäude befindet.
Wer kein Auto besitzt, was auf die meisten ALG-II-Empfänger zutrifft, darf zudem bei Wind und Wetter vom Bahnhof/Busbahnhof aus jetzt fast 2km in das Industriegebiet laufen. Besonders für ältere Menschen, Hartz-IV-Empfänger mit Gehbehinderung oder Mütter mit kleinen Kindern eine absolute Zumutung.
Aber es geht noch weiter.
Gespräche mit den Sachbearbeitern sind nur noch nach Terminvereinbarung möglich. Diese Termine werden mit der Anmeldung/Telefonzentrale vereinbart. Telefonisch zu erreichen ist die Zentrale allerdings leider nur sehr schlecht. Momentan liegt die durchschnittliche Zeit, die man benötigt, um telefonisch zu diesen Mitarbeitern durchzudringen bei 2-3 Stunden, sofern man ununterbrochen die Wahlwiederholung drückt bis man kein Besetztzeichen mehr zu hören bekommt. Das liegt in erster Linie daran, dass die ARGE Euskirchen - nach Aussage eines ARGE-Mitarbeiters - aus Kostengründen für über 20 Mitarbeiter nur 8 Telefonleitungen geschaltet hat. Diese 8 Leitungen sind allerdings dauerbesetzt und wenn sie mal nicht besetzt sind ist die Chance groß, dass niemand abnimmt.
Als Alternative könnte man auch direkt und persönlich in der Anmeldung der ARGE erscheinen, um sich einen Termin zu holen. Dummerweise ist diese Anmeldung/Telefonzentrale aber auch die Antragsannahmestelle für die Erst- und Folgeanträge auf ALG-II. Das bedeutet wiederum, dass man sich in den Flur setzt und z.T. mehrere Stunden wartet bis man an der Reihe ist, um sich dann für 5 Minuten in die Anmeldung zu begeben und einen Termin zu bekommen.
Die Terminvereinbarung oder irgendwelche sachbezogenen Nachfragen per Email sind auch nicht mehr möglich. Die Sachbearbeiter sind jetzt abgeschottet und Mailadressen nicht mehr verfügbar.
Vor der Zentralisierung war es an der Tagesordnung, dass, im Falle eines Folgeantrags, die Bewilligung vom Sachbearbeiter sofort ausgedruckt wurde und mitgenommen werden konnte. Jetzt, nach der versprochenen Beschleunigung der Vorgänge, wartet man 2-3 Wochen auf den Bescheid.
Verzögerungen gibt es auch bei wichtigen Angelegenheiten wie Rehamaßnahmen und ähnlichem, denn fast jeder ALG-II-Empfänger hat neue Sachbearbeiter zugeteilt bekommen, die sich natürlich erstmal in die Materie der neuen Klienten einarbeiten müssen.
Fazit:
Schlechtere Erreichbarkeit in jeder Hinsicht, Verlangsamung sämtlicher Vorgänge, Rückstufung der Kommunikationsmöglichkeiten auf 80er-Jahre-Standart = geistig-bürokratischer Durchfall auf höchstem Niveau.
Unsere Arbeitsministerin redet immer gerne von "Entbürokratisierung" und von "Vereinfachung". Wenn man so etwas sieht fragt man sich allerdings automatisch, in welchem Land die Ministerin lebt - Deutschland kann es unmöglich sein...
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