In Anbetracht der Tatsache, dass die RTL-Gruppe sich mittlerweile in ihrer Gesamtheit hinter das populistische Format "Tatort Internet" stellt, werde ich sämtliche Sender dieser Gruppe mit sofortiger Wirkung aus meinem Fernseher verbannen.
"Tatort Internet" basiert in meinen Augen auf einem reißerischen, rein quotenbasierten Prinzip, durch das Eltern und Kinder nicht im mindesten aufgeklärt werden, sondern das nur eine pauschale Kriminalisierung des Internets unter Missachtung sämtlicher rechtsstaatlicher Prinzipien betreibt.
Seriöse Aufklärung und ernst gemeinter Kinder- und Jugendschutz funktionieren anders.
Montag, 11. Oktober 2010
Synonym für Doppelmoral: Stephanie zu Guttenberg
Vor ein paar Tagen schrieb ich schonmal 2 Artikel über Stephanie zu Guttenberg und die RTL2-Sendung "Tatort Internet". Im zweiten Artikel mutmaßte ich sogar:
Spätestens seit heute muss ich diese Meinung revidieren. Frau zu Guttenberg lässt sich von der BILD vor einen medialen Auflagensteigerungskarren spannen, ohne wirklich das zu vertreten, was sie in ihren Aussagen von sich gibt. BILD.de titelt heute:

Im reißerischen Stil wird in dem Artikel geschildert, wie mutmaßliche Kinderschänder jetzt die Kinderschutz-Hotlines terrorisieren:

Das war für mich Anlass, heute vormittag einmal selbst mit der Kinderschutz-Organisation N.I.N.A. zu telefonieren, um diese Aussage zu prüfen. Dort gab man mir die Auskunft, dass direkt nach der erwähnten TV-Sendung die Leitungen zeitweise blockiert waren. Allerdings waren es nicht mutmaßliche Kinderschänder, die im Alleingang die Leitungen blockierten, sondern die Gesamtzahl der Anrufe, auch von Hilfe- und Informationssuchenden. Zwar stieg die Zahl der Schmähanrufe im Vergleich zu anderen Zeiten an, sie alleine waren aber nicht ausschlaggebend für die Telefonüberlastung.
"Besonders während der Beratungszeiten kommt es eigentlich häufig zu Überlastungen der Leitungen", erklärte mir eine Mitarbeiterin der Beratungshotline. Falsch ist jedoch der Eindruck, den die BILD vermittelt, nach dem die Leitungen seit Tagen von mutmaßlichen Kinderschändern blockiert würden.
Glücklich ist man dort über der BILD-Berichterstattung auch nicht unbedingt, man klärte mich allerdings auf "...dass wir die BILD-Zeitung nicht ins Haus geholt haben."
Bezüglich der Aussagen der BILD bat man mich, direkt mit "Innocence in Danger" in Verbindung zu treten. Ironischerweise schlug das fehl, weil "dieser Anschluss vorübergehend nicht erreichbar" ist. "Synonym für Doppelmoral: Stephanie zu Guttenberg" vollständig lesen »
Ich stelle hier nicht die Motivation der Frau zu Guttenberg in Frage. Ich glaube auch nicht, dass sie den Kinderschutz aus rein öffentlichkeitswirksamen Gründen vertritt. Ich vermute schon, dass sie es ehrlich meint.
Spätestens seit heute muss ich diese Meinung revidieren. Frau zu Guttenberg lässt sich von der BILD vor einen medialen Auflagensteigerungskarren spannen, ohne wirklich das zu vertreten, was sie in ihren Aussagen von sich gibt. BILD.de titelt heute:

Im reißerischen Stil wird in dem Artikel geschildert, wie mutmaßliche Kinderschänder jetzt die Kinderschutz-Hotlines terrorisieren:

Das war für mich Anlass, heute vormittag einmal selbst mit der Kinderschutz-Organisation N.I.N.A. zu telefonieren, um diese Aussage zu prüfen. Dort gab man mir die Auskunft, dass direkt nach der erwähnten TV-Sendung die Leitungen zeitweise blockiert waren. Allerdings waren es nicht mutmaßliche Kinderschänder, die im Alleingang die Leitungen blockierten, sondern die Gesamtzahl der Anrufe, auch von Hilfe- und Informationssuchenden. Zwar stieg die Zahl der Schmähanrufe im Vergleich zu anderen Zeiten an, sie alleine waren aber nicht ausschlaggebend für die Telefonüberlastung.
"Besonders während der Beratungszeiten kommt es eigentlich häufig zu Überlastungen der Leitungen", erklärte mir eine Mitarbeiterin der Beratungshotline. Falsch ist jedoch der Eindruck, den die BILD vermittelt, nach dem die Leitungen seit Tagen von mutmaßlichen Kinderschändern blockiert würden.
Glücklich ist man dort über der BILD-Berichterstattung auch nicht unbedingt, man klärte mich allerdings auf "...dass wir die BILD-Zeitung nicht ins Haus geholt haben."
Bezüglich der Aussagen der BILD bat man mich, direkt mit "Innocence in Danger" in Verbindung zu treten. Ironischerweise schlug das fehl, weil "dieser Anschluss vorübergehend nicht erreichbar" ist. "Synonym für Doppelmoral: Stephanie zu Guttenberg" vollständig lesen »
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Tags für diesen Artikel: bild, guttenberg, jugendschutz, kinderschutz, medien, rtl2, tatort internet

Sonntag, 10. Oktober 2010
Links zu Berichten über die Demos vom 09.10.2010
Trotz steigender Demonstrantenzahlen sinkt das Interesse der Medien an den Demonstrationen deutlich. Das zeigt sich besonders deutlich in Bezug auf die Demonstrationen von gestern. Während in Stuttgart die bislang größte Demo gegen Stuttgart 21 stattfand, protestierten in München geschätzte 50.000 Teilnehmer gegen die Laufzeitverlängerungen der Atomkraftwerke und die Atompolitik der Regierung.
Das Medienecho darauf fällt bislang eher sparsam auf. Zahlreiche Medien berichteten gestern über keine der beiden Demonstrationen. Ich bitte um Rücksicht, dass ich einige Medienprodukte nicht mehr berücksichtige. Dazu zählen die Boulevard-Medien, einige Produkte der Springer-Presse sowie Stern.de, die sich zunehmend durch schlechte Recherche und inhaltlich falsche Berichterstattung auszeichnen. Hier ein Auszug der Berichte des gestrigen Tages:
Artikel über die gestrige S21-Demo:
Tausende demonstrieren gegen Stuttgart 21 (RP-Online)
Große Demonstration der Stuttgart-21-Gegner (SWR)
Großdemonstration in Stuttgart: Chancen für S21-Gegner bei "50 Prozent" (Frankfurter Rundschau)
Stuttgart 21: Neue Massendemo gegen Bahnhofsprojekt (SpOn)
Stuttgart 21: Wieder gehen Zehntausende gegen das Bahnprojekt auf die Straße (Zeit)
Stuttgart 21: Zehntausende wollen "oben bleiben" (n-tv)
Stuttgart-21-Konflikt hält an (Handelsblatt)
Artikel über die Anti-AKW-Demo in München:
Anti-Atomkraft-Demo: Zehntausende gehen auf die Straße (BR)
Anti-Atom-Demo in München: Strahlendes Comeback (Süddeutsche)
Bildstrecke: Anti-Atom-Demo in München – 50.000 gegen die Atomkraft (Süddeutsche)
Anti-Atom-Demo: Tausende bilden Menschenkette durch Münchens Innenstadt (SpOn)
Video: Heißer Herbst in München (ZDF heute-Nachrichten)
Links zu Stuttgart 21-Artikeln von gestern, nicht direkt demobezogen:
Stuttgart 21: Der Streich (FAZ)
Alles oder nichts: Mappus sieht Stuttgart 21 als Richtungsentscheid (FTD)
Widerstand der Wähler: Die Protest-Demokratie (Süddeutsche)
Stuttgart 21: Geißler will nicht aufgeben (Zeit)
Politisches Theater: Spiele im Sturm (Zeit)
Das Medienecho darauf fällt bislang eher sparsam auf. Zahlreiche Medien berichteten gestern über keine der beiden Demonstrationen. Ich bitte um Rücksicht, dass ich einige Medienprodukte nicht mehr berücksichtige. Dazu zählen die Boulevard-Medien, einige Produkte der Springer-Presse sowie Stern.de, die sich zunehmend durch schlechte Recherche und inhaltlich falsche Berichterstattung auszeichnen. Hier ein Auszug der Berichte des gestrigen Tages:
Artikel über die gestrige S21-Demo:
Tausende demonstrieren gegen Stuttgart 21 (RP-Online)
Große Demonstration der Stuttgart-21-Gegner (SWR)
Großdemonstration in Stuttgart: Chancen für S21-Gegner bei "50 Prozent" (Frankfurter Rundschau)
Stuttgart 21: Neue Massendemo gegen Bahnhofsprojekt (SpOn)
Stuttgart 21: Wieder gehen Zehntausende gegen das Bahnprojekt auf die Straße (Zeit)
Stuttgart 21: Zehntausende wollen "oben bleiben" (n-tv)
Stuttgart-21-Konflikt hält an (Handelsblatt)
Artikel über die Anti-AKW-Demo in München:
Anti-Atomkraft-Demo: Zehntausende gehen auf die Straße (BR)
Anti-Atom-Demo in München: Strahlendes Comeback (Süddeutsche)
Bildstrecke: Anti-Atom-Demo in München – 50.000 gegen die Atomkraft (Süddeutsche)
Anti-Atom-Demo: Tausende bilden Menschenkette durch Münchens Innenstadt (SpOn)
Video: Heißer Herbst in München (ZDF heute-Nachrichten)
Links zu Stuttgart 21-Artikeln von gestern, nicht direkt demobezogen:
Stuttgart 21: Der Streich (FAZ)
Alles oder nichts: Mappus sieht Stuttgart 21 als Richtungsentscheid (FTD)
Widerstand der Wähler: Die Protest-Demokratie (Süddeutsche)
Stuttgart 21: Geißler will nicht aufgeben (Zeit)
Politisches Theater: Spiele im Sturm (Zeit)
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Freitag, 8. Oktober 2010
Internationale Medienfundstücke zu Stuttgart 21
Ich habe mir gestern und heute mal einen Blick in die ausländische Presse erlaubt und ein paar Links zu Stuttgart 21 eingesammelt. Aus sprachtechnischen Gründen gibt es allerdings weder spanische, noch portugiesische Texte. Französische Texte fallen auch heraus, weil ich dort bei den interessanter klingenden Überschriften immer an Abo-Mauern landete.
Überhaupt bin ich relativ oft in den internationalen Medien auf Abo-Bereiche gestoßen, dagegen ist die Auswahl in unserer Medienlandschaft echt riesig. Regional und überregional konnte ich übrigens feststellen, dass sich die Medien sehr unterschiedlich mit dem Thema befassen. So wird in unserem Nachbarland Schweiz das Thema Stuttgart 21 sehr aufmerksam verfolgt, während es in einigen Ländern nur vereinzelt oder gar nicht wahrgenommen wird. Ich fange auch gleich mit der Schweiz an.
Artikel aus schweizer Medien:
Stuttgart 21 - Rundschau - Schweizer Fernsehen: SF Videoportal
Konflikt um Stuttgart 21 weitet sich aus - hunderte Verletzte - International - Aargauer Zeitung
Nach Polizeigewalt: 100000 Demonstranten auf der Strasse - International - Aargauer Zeitung
«In der Schweiz könnte so was ned passiere, gell?» - International - Aargauer Zeitung
Die Polizei «langt mal hin» (International, NZZ Online)
In Stuttgart fallen die ersten Bäume (International, NZZ Online)
Die Lage in Stuttgart gerät ausser Kontrolle (International, NZZ Online)
Zehntausende protestieren gegen «Stuttgart 21» (International, NZZ Online)
Polizeiaktion in Stuttgart wird zum Thema im Bundestag (International, NZZ Online)
Gleise und Entgleisungen (International, NZZ Online)
England
Mit der englischen Presse habe ich ein paar Probleme. Ich kenne nicht alle Zeitungen und bei denen, die ich kenne waren die Artikel zumeist kostenpflichtig. Darum nur:
Protesters clash with German police over Stuttgart 21 rail project | World news | guardian.co.uk
Stolid Stuttgart's citizens give the German city a whiff of Paris in 1968 | World news | Guardian Weekly
Germany sees Stuttgart rail development become hot election issue | World news | The Guardian
Australien
Clashes at German demo as 50,000 rally - The Sidney Morning Herald
USA
Hier kommt gleich auch ein Link zur Washington Post. Um den Artikel lesen zu können, muss man mit Mailadresse und einem Passwort einen kostenlosen Account anlegen.
German police hit protesters with water cannons - Washington Post
Crowds Fault Police Actions in Stuttgart - NYTimes.com
Architecture - Last Call for an Elegant Rail Station - Review - NYTimes.com
Stuttgart Rails Against Station Revamp - Wall Street Journal - WSJ.com
Internationale Seiten
Tear gas fired as German rail protest turns ugly < German news | Expatica Germany
German city braces for fresh demo after bloody clashes (page 1) < German news | Expatica Germany
euronews - “Stuttgart 21” protests to continue
Merkel urges calm after Stuttgart 21 clashes - International Railway Journal
Das waren erstmal alle nennenswerten Artikel, die ich frei zugänglich finden konnte. Ich bin auch noch auf zahlreiche Artikel in diversen internationalen Blogs gestoßen, die ich aber zunächst noch alle lesen muss und dann veröffentliche, wenn Interesse besteht.
Überhaupt bin ich relativ oft in den internationalen Medien auf Abo-Bereiche gestoßen, dagegen ist die Auswahl in unserer Medienlandschaft echt riesig. Regional und überregional konnte ich übrigens feststellen, dass sich die Medien sehr unterschiedlich mit dem Thema befassen. So wird in unserem Nachbarland Schweiz das Thema Stuttgart 21 sehr aufmerksam verfolgt, während es in einigen Ländern nur vereinzelt oder gar nicht wahrgenommen wird. Ich fange auch gleich mit der Schweiz an.
Artikel aus schweizer Medien:
Stuttgart 21 - Rundschau - Schweizer Fernsehen: SF Videoportal
Konflikt um Stuttgart 21 weitet sich aus - hunderte Verletzte - International - Aargauer Zeitung
Nach Polizeigewalt: 100000 Demonstranten auf der Strasse - International - Aargauer Zeitung
«In der Schweiz könnte so was ned passiere, gell?» - International - Aargauer Zeitung
Die Polizei «langt mal hin» (International, NZZ Online)
In Stuttgart fallen die ersten Bäume (International, NZZ Online)
Die Lage in Stuttgart gerät ausser Kontrolle (International, NZZ Online)
Zehntausende protestieren gegen «Stuttgart 21» (International, NZZ Online)
Polizeiaktion in Stuttgart wird zum Thema im Bundestag (International, NZZ Online)
Gleise und Entgleisungen (International, NZZ Online)
England
Mit der englischen Presse habe ich ein paar Probleme. Ich kenne nicht alle Zeitungen und bei denen, die ich kenne waren die Artikel zumeist kostenpflichtig. Darum nur:
Protesters clash with German police over Stuttgart 21 rail project | World news | guardian.co.uk
Stolid Stuttgart's citizens give the German city a whiff of Paris in 1968 | World news | Guardian Weekly
Germany sees Stuttgart rail development become hot election issue | World news | The Guardian
Australien
Clashes at German demo as 50,000 rally - The Sidney Morning Herald
USA
Hier kommt gleich auch ein Link zur Washington Post. Um den Artikel lesen zu können, muss man mit Mailadresse und einem Passwort einen kostenlosen Account anlegen.
German police hit protesters with water cannons - Washington Post
Crowds Fault Police Actions in Stuttgart - NYTimes.com
Architecture - Last Call for an Elegant Rail Station - Review - NYTimes.com
Stuttgart Rails Against Station Revamp - Wall Street Journal - WSJ.com
Internationale Seiten
Tear gas fired as German rail protest turns ugly < German news | Expatica Germany
German city braces for fresh demo after bloody clashes (page 1) < German news | Expatica Germany
euronews - “Stuttgart 21” protests to continue
Merkel urges calm after Stuttgart 21 clashes - International Railway Journal
Das waren erstmal alle nennenswerten Artikel, die ich frei zugänglich finden konnte. Ich bin auch noch auf zahlreiche Artikel in diversen internationalen Blogs gestoßen, die ich aber zunächst noch alle lesen muss und dann veröffentliche, wenn Interesse besteht.
Frau zu Guttenberg, CDU-Politiker und die historische Scheinheiligkeit
Letzte Nacht schrieb ich ja die Kritik zum neuen RTL2-Format Tatort Internet. In Ruhe gelassen hat mich das Thema allerdings nicht.
In den letzten 3 Jahren werden die Themen Kinderpornographie und Kindesmissbrauch immer wieder, besonders von CDU/CSU, als Gründe für Zensurmaßnahmen und zur Kriminalisierung des Internets instrumentalisiert. Fakt ist aber, dass gerade dieses Parteienbündnis schon vor vielen Jahren massiv dazu beitrug, dass kinderpornographische Inhalte im Internet nicht verfolgt werden konnten. Ich werde gleich mal einen kleinen Zeitsprung machen und diejenigen unter Euch, die ebenfalls schon seit Mitte der '90er Jahre im Netz sind, werden sich vielleicht schmerzlich erinnern.
Wir schreiben das Jahr 1998, die Ära Kohl geht zuende, Schröder steht am Start seiner Kanzlerschaft. Kinderpornographie und Kindesmissbrauch sind bereits feste Themen in der Netzwelt und werden von den Nutzern bereits massiv verurteilt. Der Staat beschäftigt sich kaum mit dem brisanten Thema und wenn, dann fällt er dadurch auf, dass er Internetuser anklagt und schikaniert, die entsprechende Seiten der Polizei zur Anzeige bringen. Wer in diesem Jahr auf ein Angebot mit kinderpornographischen Inhalten stößt und dieses der Polizei meldet, läuft große Gefahr, dass wenig später die Polizei mit einem Großaufgebot vor der Tür steht und sowohl Computer, Disketten, CDs, Aktenordner, Fotoalben und Monitore (!) beschlagnahmt, weil dort ja kinderpornographisches Material vorhanden sein könnte.
Warum das so war, erklärte die seltsame der Logik, der sich damals rechtfertigenden Unionspolitiker:
Und tatsächlich wurden auf einigen dieser Rechner auch Bilder gefunden. Es handelte sich dabei allerdings nicht um wissentlich heruntergeladenes Material, sondern um den Cache des Browsers, von dem damals viele User noch gar nicht wussten, dass er existiert und wie er zu löschen ist. Für die Staatsanwälte stand der Besitz dieser Bilder fest und die Politiker unterstützten die Justiz wo immer es ging und rechtfertigten diese Durchsuchungen, Ermittlungs- und Strafverfahren entgegen aller Vernunft und aller Argumente der Kinderschützer.
Dieses gravierende Fehlverhalten von Politik und Justiz gipfelte schließlich darin, dass Hinweise auf Kinderpornographie nicht mehr verfolgt werden konnten, weil die User sich schlichtweg nicht mehr trauten, entsprechende Fundstücke den Behörden zu melden.
Die Unzufriedenheit über diesen Zustand riss allerdings nicht ab. Es bildeten sich Initiativen, die, von Politik und Justiz geflissentlich ignoriert, immer lauter ihren Unmut über diese Situation öffentlich äußerten. Als die Stimmung auf dem negativen Höchststand angelangt war, schlossen sich fünf große Kritiker des politischen Missstands zusammen und initiierten das Netz gegen Kinderporno, dessen Symbol rechts zu sehen ist. Diese fünf Kritiker waren der Deutsche Kinderschutzbund, das FifF - Forum Informatiker für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung, der Heise Verlag, Spiegel Online und Stern Online.
Dieses politisch unabhängige Netzwerk richtete die erste anonyme Meldestelle für kinderpornographische Fundstücke im Internet ein, was eigentlich Sache der Politik und der Justiz gewesen wäre. Die Aktionsgrafik des Netzwerks fand sich danach auf zahlreichen privaten, kommerziellen und medialen Websites wieder und wurde damals zu einem Symbol gegen die kontraproduktive und kriminalisierende Stellung der Politik und der Justiz.
Wer jetzt allerdings glaubt, die Politiker hätten schnell daraus gelernt, der täuscht sich. Das Netz gegen Kinderporno war über mehrere Jahre aktiv, bevor die Politik endlich den Schritt machte, das Melden krimineller Fundstücke aus dem Internet nicht mehr unter Strafe zu stellen.
Wenn unsere Politiker sich heutzutage hinstellen, um sich als die Vertreter der Moral und die Schützer unserer Kinder zu positionieren, sollten sie - und das geht jetzt besonders in die Richtung CDU/CSU - einmal die eigene Vergangenheit aufarbeiten und sich selbst fragen, warum sie über Jahre hinweg die Täter geschützt und die ehrlich besorgten Internetnutzer verfolgt haben. Damit waren sie Wegbereiter des Zustands, der heute existiert.
Frau zu Guttenberg dagegen möchte ich anraten, sich einmal realistisch zu informieren und nicht blind der moralisch zweifelhaften Linie der Parteipolitik ihres Mannes zu vertrauen. Sie sollte nicht pauschal weite Teile des Internets kriminalisieren, sondern darüber nachdenken, warum vielen Internetnutzern zu dieser Zeit das Vertrauen in den Kinderschutz durch Politik und Justiz verloren ging.
Ich stelle hier nicht die Motivation der Frau zu Guttenberg in Frage. Ich glaube auch nicht, dass sie den Kinderschutz aus rein öffentlichkeitswirksamen Gründen vertritt. Ich vermute schon, dass sie es ehrlich meint. Nur der Weg, den sie beschreitet, wirkt sehr naiv und uninformiert, besonders was die Bekämpfung der Kinderpornographie in der Vergangenheit betrifft.
Das Internet war der Politik schon immer um einige Schritte voraus und die Politik hätte sich viel nützliches Wissen von den aufgeklärten Internetnutzern vermitteln lassen können. Leider hat sich daran bis heute nichts geändert und ich befürchte, ich werde in 10 Jahren wahrscheinlich einen ähnlichen Artikel in Bezug auf die heutige Zeit verfassen müssen.
In den letzten 3 Jahren werden die Themen Kinderpornographie und Kindesmissbrauch immer wieder, besonders von CDU/CSU, als Gründe für Zensurmaßnahmen und zur Kriminalisierung des Internets instrumentalisiert. Fakt ist aber, dass gerade dieses Parteienbündnis schon vor vielen Jahren massiv dazu beitrug, dass kinderpornographische Inhalte im Internet nicht verfolgt werden konnten. Ich werde gleich mal einen kleinen Zeitsprung machen und diejenigen unter Euch, die ebenfalls schon seit Mitte der '90er Jahre im Netz sind, werden sich vielleicht schmerzlich erinnern.
Wir schreiben das Jahr 1998, die Ära Kohl geht zuende, Schröder steht am Start seiner Kanzlerschaft. Kinderpornographie und Kindesmissbrauch sind bereits feste Themen in der Netzwelt und werden von den Nutzern bereits massiv verurteilt. Der Staat beschäftigt sich kaum mit dem brisanten Thema und wenn, dann fällt er dadurch auf, dass er Internetuser anklagt und schikaniert, die entsprechende Seiten der Polizei zur Anzeige bringen. Wer in diesem Jahr auf ein Angebot mit kinderpornographischen Inhalten stößt und dieses der Polizei meldet, läuft große Gefahr, dass wenig später die Polizei mit einem Großaufgebot vor der Tür steht und sowohl Computer, Disketten, CDs, Aktenordner, Fotoalben und Monitore (!) beschlagnahmt, weil dort ja kinderpornographisches Material vorhanden sein könnte.
Warum das so war, erklärte die seltsame der Logik, der sich damals rechtfertigenden Unionspolitiker:
"Wer eine Internetseite mit kinderpornographischen Inhalten besucht hat, hat gegen geltendes Gesetz verstoßen und macht sich damit strafbar."

Das "Netz gegen Kinderporno" Banner
Dieses gravierende Fehlverhalten von Politik und Justiz gipfelte schließlich darin, dass Hinweise auf Kinderpornographie nicht mehr verfolgt werden konnten, weil die User sich schlichtweg nicht mehr trauten, entsprechende Fundstücke den Behörden zu melden.
Die Unzufriedenheit über diesen Zustand riss allerdings nicht ab. Es bildeten sich Initiativen, die, von Politik und Justiz geflissentlich ignoriert, immer lauter ihren Unmut über diese Situation öffentlich äußerten. Als die Stimmung auf dem negativen Höchststand angelangt war, schlossen sich fünf große Kritiker des politischen Missstands zusammen und initiierten das Netz gegen Kinderporno, dessen Symbol rechts zu sehen ist. Diese fünf Kritiker waren der Deutsche Kinderschutzbund, das FifF - Forum Informatiker für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung, der Heise Verlag, Spiegel Online und Stern Online.
Dieses politisch unabhängige Netzwerk richtete die erste anonyme Meldestelle für kinderpornographische Fundstücke im Internet ein, was eigentlich Sache der Politik und der Justiz gewesen wäre. Die Aktionsgrafik des Netzwerks fand sich danach auf zahlreichen privaten, kommerziellen und medialen Websites wieder und wurde damals zu einem Symbol gegen die kontraproduktive und kriminalisierende Stellung der Politik und der Justiz.
Wer jetzt allerdings glaubt, die Politiker hätten schnell daraus gelernt, der täuscht sich. Das Netz gegen Kinderporno war über mehrere Jahre aktiv, bevor die Politik endlich den Schritt machte, das Melden krimineller Fundstücke aus dem Internet nicht mehr unter Strafe zu stellen.
Wenn unsere Politiker sich heutzutage hinstellen, um sich als die Vertreter der Moral und die Schützer unserer Kinder zu positionieren, sollten sie - und das geht jetzt besonders in die Richtung CDU/CSU - einmal die eigene Vergangenheit aufarbeiten und sich selbst fragen, warum sie über Jahre hinweg die Täter geschützt und die ehrlich besorgten Internetnutzer verfolgt haben. Damit waren sie Wegbereiter des Zustands, der heute existiert.
Frau zu Guttenberg dagegen möchte ich anraten, sich einmal realistisch zu informieren und nicht blind der moralisch zweifelhaften Linie der Parteipolitik ihres Mannes zu vertrauen. Sie sollte nicht pauschal weite Teile des Internets kriminalisieren, sondern darüber nachdenken, warum vielen Internetnutzern zu dieser Zeit das Vertrauen in den Kinderschutz durch Politik und Justiz verloren ging.
Ich stelle hier nicht die Motivation der Frau zu Guttenberg in Frage. Ich glaube auch nicht, dass sie den Kinderschutz aus rein öffentlichkeitswirksamen Gründen vertritt. Ich vermute schon, dass sie es ehrlich meint. Nur der Weg, den sie beschreitet, wirkt sehr naiv und uninformiert, besonders was die Bekämpfung der Kinderpornographie in der Vergangenheit betrifft.
Das Internet war der Politik schon immer um einige Schritte voraus und die Politik hätte sich viel nützliches Wissen von den aufgeklärten Internetnutzern vermitteln lassen können. Leider hat sich daran bis heute nichts geändert und ich befürchte, ich werde in 10 Jahren wahrscheinlich einen ähnlichen Artikel in Bezug auf die heutige Zeit verfassen müssen.
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