Heute ist der 1. Mai, auch genannt der „Tag der Arbeit“. Normalerweise ist dieser Tag ein Gedenk- und Feiertag, gewidmet den ersten Arbeitern, die sich im 19. Jahrhundert, teilweise unter dem Einsatz ihrer Gesundheit und ihres Lebens, für bessere Arbeitsbedingungen und gerechte Bezahlung einsetzten.
Heute ist der 1. Mai zum einfachen, arbeitsfreien Tag verkommen. Zwar finden auch heute noch Maikundgebungen von Gewerkschaften statt, aber man muss sich einmal anschauen, wer dort alles spricht. Dort beweihräuchern sich neben den Gewerkschaftsfunktionären unter anderem auch Politiker von CDU, CSU, FDP, SPD und Grünen. Sie reden wie üblich davon, wie gut es der Wirtschaft geht und dass so viele Menschen wie nie zuvor in Arbeit sind.
Was sie aber verschweigen sind die Konditionen, zu denen mittlerweile ein großer Teil der Arbeitnehmer tätig ist. Unsichere, befristete Verträge, ein ungenügender Kündigungsschutz, niedrige Löhne und die ständige Gefahr, wegrationalisiert und vom Staat anschließend dafür bestraft zu werden sind dank dieser Politiker heute zum Alltag geworden.
Über 3 Millionen Arbeitslose stehen 800.000 freien Stellen gegenüber. Wer keine dieser Stellen antreten oder ergattern kann, egal aus welchem Grund, wird abgestraft, die Schuld bei ihm gesucht.
Heute ist der 1. Mai und es sprechen Politiker, die in ihren Parlamenten damit protzen, wie sie unsere Wirtschaft angekurbelt haben und wie sie es schafften, dass Deutschland Exportrekorde einfährt. Es sind die gleichen Politiker, die nur wenige Tage später, wenn um Mindestlöhne und gerechtere Bezahlung debattiert wird erklären, dass es unserer Wirtschaft so schlecht geht und bei den Arbeitnehmern gespart werden muss.
Es sind die gleichen Politiker, die Arbeitsmarktstatistiken beschönigen, in dem sie Arbeitslose in sinnlose „Schulungsmaßnahmen“ stecken, in denen sie das Einkaufen im Supermarkt lernen sollen damit sie aus der Statistik fallen und gleichzeitig das Fehlen von Fachkräften beklagen, die wir hätten, wenn Arbeitslosen sinnvolle Fortbildungen und Umschulungen zu Gute kämen.
Heute ist der 1. Mai und der Tag, der normalerweise dem Gedenken an die ersten Arbeiter, die für ihre Rechte eintraten gelten sollte, ist verkommen zu einer Lügen- und Selbstbeweihräucherungsorgie für Politiker, denen das Wohl von Wirtschaftsbossen mehr am Herzen liegt, als das der Arbeitnehmer. Und es ist der Tag, an dem Gewerkschaftsbosse zeigen, dass es keine Solidarität mehr gibt.
Wir feiern einen 1. Mai, der eigentlich eher ein Trauertag ist.
Was mir spontan dazu einfällt. Eine "Bekannte" hat im örtlichen Arbeitsamt in der Verwaltung gearbeitet (Öffentlicher Dienst). Dort gab es nur befristete Verträge, der bei 19 von 20 Leuten ausgelaufen ist. Im Anschluss wurden 19 Leute wieder befristet eingestellt (warum auch fest an jemanden binden?).
Naja wenigstens hatte sie es nicht sehr weit um sich arbeitssuchend zu melden.
Gelungener Artikel!