Willkommen zum zweiten Teil meiner rein subjektiven Serie über das Zusammenwirken verschiedenster Umstände zur politisch vermurksten Gesamtsituation. Heute mache ich mir ein paar Gedanken über die hohe Arbeitslosigkeit und ihre Ursachen.
Der Fortschritt wird nachteilig genutzt
Wie beim schlechten Ruf der Arbeitslosen, gibt es auch hierbei mehrere Faktoren.
Das Hauptproblem liegt, so bizarr und paradox es sich auch anhört, im technischen Fortschritt. Ich meine damit explizit die fortschreitende Automatisierung, die in den 1970ern begann, in den 1980ern fast explodierte und heute, dank der modernen Computer- und Robotertechnik, nicht mehr aufzuhalten ist. Die Automatisierung hat unzählige Arbeitsstellen gekostet und wird in Zukunft noch mehr Menschen den Job kosten.
Ich bitte mich hier nicht falsch zu verstehen. Ich bin kein Gegner des technischen Fortschritts. Er hat in der Vergangenheit viel dazu beigetragen, die Gesundheit und das Leben der Menschen zu verbessern – auch arbeitstechnisch. In vielen Berufen, die sich nachhaltig schlecht auf die Gesundheit auswirken, arbeiten heute bereits computergesteuerte Roboter. Ich möchte da nur mal die Schweiß- und Lackierroboter der Autoindustrie als Beispiel anführen.
Der Trend geht allerdings schon lange dahin, die Automatisierung zu Rationalisierungszwecken einzusetzen. Auch da kann ich ein Beispiel anführen - die Lebensmittelindustrie. Mittlerweile hat jeder Supermarkt seine vertragliche Großbäckerei, viele Großbäckereien haben zudem mit ihren Zweigstellen kleine Handwerksbetriebe verdrängt, die mit dem Preisdruck einer „Brot- und Brötchenschleuder“ einfach nicht mithalten konnten.
Ich könnte hier noch zahlreiche Beispiele aus allen möglichen Industrie- und Handwerksbereichen anführen, aber das würde zu nichts führen, außer der Verschwendung von Zeit. Aber ich denke, jeder von uns hat schon mal Vollautomaten irgendwo gesehen und weiß, wovon ich rede.
Sonntag, 8. August 2010
Wie man Arbeitslose erschafft - (Serie Teil 2)
Was das erstaunliche daran ist: egal in welche Statistik man schaut, die verlorenen Arbeitsplätze durch Automatisierung werden nicht aufgeführt. Und da haben wir meiner Meinung nach schon einen gravierenden Fehler (einen, von vielen) in der Denkweise unserer Politiker. Die Automatisierung schafft Arbeitsplätze... ab.
Die zunehmende Automatisierung erfordert in meinen Augen ein grundlegendes Umdenken im Bereich der Arbeits- und Wirtschaftspolitik. Wir brauchen keine höhere Wochenarbeitszeit und wir brauchen keine längere Lebensarbeitszeit. Im Gegenteil, wenn wir Arbeitsplätze schaffen wollen, müssen beide massiv gesenkt werden. Es mag futuristisch klingen und ich habe auch noch kein Universalrezept dafür, aber bei steigender Automatisierung wird die Zahl der Arbeitslosen in einem Maß steigen, in dem sie nicht mehr durch Umschulungen oder Fortbildungen aufgefangen werden können. Unsere Politiker und Wirtschaftsexperten müssten sich also theoretisch langsam an die Arbeit machen und den Fortschritt auch in politische und wirtschaftliche Gebiete ausweiten. Auch wenn es sich nach Science Fiction anhört: die derzeitige Entwicklung läuft eher darauf hinaus, dass entweder alle Menschen in den Industrieländern weniger arbeiten und es dafür auch weniger Arbeitslose gibt, oder es arbeiten immer weniger Menschen immer länger, was dann natürlich auch steigende Arbeitslosenzahlen und somit eine riesige soziale Kluft mit hochexplosivem Potential bedeutet.
Aber das ist Zukunftsmusik. Zurück zur Gegenwart.
Globalisierung - mehr Fluch als Segen
Die zweite Ursache für die Arbeitslosigkeit liegt meines Erachtens in der Globalisierung begründet. Die Politik redet immer in blumigen Worten von der "Chance der Globalisierung", davon, dass die reichen Länder den armen etwas abgeben würden und so weiter. Aber wie sieht es wirklich aus?
Fakt ist, dass beispielsweise seit Ende der 1980er Jahre eine Verlegungswelle von industriellen Fertigungsstätten von Deutschland in Osteuropäische Länder stattfindet, die ihresgleichen sucht. Ich selbst habe den Umzug mehrerer Fertigungsstätten der Metall- und Kunststoffindustrie nach Rumänien, Ungarn und in die Tschechische Republik miterlebt, bei dem lediglich einige deutsche Führungskräfte ihren Arbeitsplatz behielten, die normale Belegschaft aber ersatzlos und ohne Auffangplan auf der Straße landete. Der Hohn dabei ist, dass die Kosten dieser Umzüge und eventuelle Anfangsverluste im Ausland auch noch steuerlich subventioniert werden, sofern das Unternehmen seinen Hauptsitz, also quasi nur die Verwaltung, in Deutschland behält.
Auch der Einzelhandel nutzt mittlerweile massiv die Möglichkeit der Gewinnmaximierung auf Kosten der Arbeitnehmer. Unternehmen wie KIK, Lidl oder H&M, um nur einige zu nennen, geraten immer wieder in die Schlagzeilen, weil sie unter unmenschlichen Bedingungen zu Tiefstpreisen im Ausland produzieren lassen und Gewinnspannen in Höhe von mehreren hundert Prozent auf Kosten der Arbeitnehmer im In- und Ausland einfahren. Aber dazu mehr in einem der nächsten Artikel.
Die Politik schießt lieber Böcke
Die Politik macht sich bei der "Schaffung" von Arbeitslosen gleich in mehrerlei Hinsicht mitschuldig.
Da wäre zunächst eine völlig verfehlte Bildungspolitik. Der Bildungsstandard ist, seit ich die Schule vor fast 30 Jahren verlassen habe, massiv eingebrochen. Ich erlebe heute immer wieder, dass Schüler mit Abitur das Gymnasium verlassen und nicht ansatzweise über das Wissen verfügen, was mir damals in der Realschule vermittelt wurde.
Der Grund dafür liegt meiner Meinung nach in der künstlichen Beschönigung von Bildungsstatistiken. Je mehr Schüler ihren Abschluss nicht schaffen, desto weiter werden die Ansprüche durch „Bildungsreformen“ gesenkt. Diese Vorgehensweise hat allerdings auch massiven Einfluss auf den Arbeitsmarkt. Früher sagte man Abiturienten gehen studieren, Realschüler gehen in den Handel, Hauptschüler gehen ins Handwerk.
Durch das gesunkene Bildungsniveau hat sich das geändert. Heute sieht es so aus, dass die viele Unternehmen im kaufmännischen Bereich bereits das Abitur verlangen und immer mehr Handwerksbetriebe den Realschulabschluss voraussetzen. Die Tatsache, dass potentiellen Studenten immer mehr Steine in den Weg gelegt werden (Stichwort Studiengebühren), sorgt dafür, dass immer mehr Abiturienten auf den außerakademischen Arbeitsmarkt drängen. Als Folge davon schwindet die Zahl der akademischen Fachkräfte.
Aber statt die Bildung wirklich sinnvoll zu reformieren, setzen unsere Regierungen seit Jahren auf den Import ausländischer Fachkräfte. Aber auch dazu mehr in einem der kommenden Artikel.
Ein weiterer Knackpunkt ist die Kurzsichtigkeit in Bezug auf die Familienpolitik. Unsere Politiker denken streng nach dem Schema: je größer die Zahl der Arbeitnehmer, desto höher die Steuereinnahmen. Aus dem Grund werden mittlerweile selbst Alleinerziehende regelrecht in den Arbeitsmarkt „gepresst“, sobald der Nachwuchs das Alter für die Kinderkrippe/den Kindergarten erreicht hat. Dazu kommt noch die Tatsache, dass in immer mehr Familien, besonders aus der unteren und mittleren Bildungsschicht, beide Elternteile arbeiten müssen, weil das Einkommen sonst nicht mehr zum Leben reicht. Das hat nicht nur Einfluss auf auf die Familie und das Bildungsniveau (Stichwort Kindervernachlässigung), sondern wirkt sich als weiterer Negativfaktor auf den Arbeitsmarkt aus.
Das Fehlkonzept des 1-Euro-Jobs können wir gleich noch dazu addieren. Ursprünglich als Wiedereingliederungsmaßnahme geplant, werden Arbeitslose mittlerweile von einem 1-Euro-Job in den nächsten geschickt und einige Organisationen und Unternehmen haben diese Billigjobber zum festen Bestandteil ihrer Planung gemacht.
Fazit:
Im Einzelnen betrachtet hätten vielleicht einige der hier angeführten Punkte gar keine so gewaltigen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Aber es ist die Summe der Faktoren, die erst das fatale Gesamtbild ergibt. Hier wäre es der Politik angeraten, nicht nur den eigenen Standpunkt zu überdenken, sondern sich mit Industrie, Wirtschaft und Gewerkschaften neue Systeme zu entwickeln, die nicht auf reine Gewinnmaximierung ausgerichtet sind, sondern eine fortschrittlicher und sozialverträglicher orientiert sind.
Soviel dazu. Morgen dann Teil 3:
Subventioniertes Lohndumping – der Staat ruiniert sich selbst
Die zunehmende Automatisierung erfordert in meinen Augen ein grundlegendes Umdenken im Bereich der Arbeits- und Wirtschaftspolitik. Wir brauchen keine höhere Wochenarbeitszeit und wir brauchen keine längere Lebensarbeitszeit. Im Gegenteil, wenn wir Arbeitsplätze schaffen wollen, müssen beide massiv gesenkt werden. Es mag futuristisch klingen und ich habe auch noch kein Universalrezept dafür, aber bei steigender Automatisierung wird die Zahl der Arbeitslosen in einem Maß steigen, in dem sie nicht mehr durch Umschulungen oder Fortbildungen aufgefangen werden können. Unsere Politiker und Wirtschaftsexperten müssten sich also theoretisch langsam an die Arbeit machen und den Fortschritt auch in politische und wirtschaftliche Gebiete ausweiten. Auch wenn es sich nach Science Fiction anhört: die derzeitige Entwicklung läuft eher darauf hinaus, dass entweder alle Menschen in den Industrieländern weniger arbeiten und es dafür auch weniger Arbeitslose gibt, oder es arbeiten immer weniger Menschen immer länger, was dann natürlich auch steigende Arbeitslosenzahlen und somit eine riesige soziale Kluft mit hochexplosivem Potential bedeutet.
Aber das ist Zukunftsmusik. Zurück zur Gegenwart.
Globalisierung - mehr Fluch als Segen
Die zweite Ursache für die Arbeitslosigkeit liegt meines Erachtens in der Globalisierung begründet. Die Politik redet immer in blumigen Worten von der "Chance der Globalisierung", davon, dass die reichen Länder den armen etwas abgeben würden und so weiter. Aber wie sieht es wirklich aus?
Fakt ist, dass beispielsweise seit Ende der 1980er Jahre eine Verlegungswelle von industriellen Fertigungsstätten von Deutschland in Osteuropäische Länder stattfindet, die ihresgleichen sucht. Ich selbst habe den Umzug mehrerer Fertigungsstätten der Metall- und Kunststoffindustrie nach Rumänien, Ungarn und in die Tschechische Republik miterlebt, bei dem lediglich einige deutsche Führungskräfte ihren Arbeitsplatz behielten, die normale Belegschaft aber ersatzlos und ohne Auffangplan auf der Straße landete. Der Hohn dabei ist, dass die Kosten dieser Umzüge und eventuelle Anfangsverluste im Ausland auch noch steuerlich subventioniert werden, sofern das Unternehmen seinen Hauptsitz, also quasi nur die Verwaltung, in Deutschland behält.
Auch der Einzelhandel nutzt mittlerweile massiv die Möglichkeit der Gewinnmaximierung auf Kosten der Arbeitnehmer. Unternehmen wie KIK, Lidl oder H&M, um nur einige zu nennen, geraten immer wieder in die Schlagzeilen, weil sie unter unmenschlichen Bedingungen zu Tiefstpreisen im Ausland produzieren lassen und Gewinnspannen in Höhe von mehreren hundert Prozent auf Kosten der Arbeitnehmer im In- und Ausland einfahren. Aber dazu mehr in einem der nächsten Artikel.
Die Politik schießt lieber Böcke
Die Politik macht sich bei der "Schaffung" von Arbeitslosen gleich in mehrerlei Hinsicht mitschuldig.
Da wäre zunächst eine völlig verfehlte Bildungspolitik. Der Bildungsstandard ist, seit ich die Schule vor fast 30 Jahren verlassen habe, massiv eingebrochen. Ich erlebe heute immer wieder, dass Schüler mit Abitur das Gymnasium verlassen und nicht ansatzweise über das Wissen verfügen, was mir damals in der Realschule vermittelt wurde.
Der Grund dafür liegt meiner Meinung nach in der künstlichen Beschönigung von Bildungsstatistiken. Je mehr Schüler ihren Abschluss nicht schaffen, desto weiter werden die Ansprüche durch „Bildungsreformen“ gesenkt. Diese Vorgehensweise hat allerdings auch massiven Einfluss auf den Arbeitsmarkt. Früher sagte man Abiturienten gehen studieren, Realschüler gehen in den Handel, Hauptschüler gehen ins Handwerk.
Durch das gesunkene Bildungsniveau hat sich das geändert. Heute sieht es so aus, dass die viele Unternehmen im kaufmännischen Bereich bereits das Abitur verlangen und immer mehr Handwerksbetriebe den Realschulabschluss voraussetzen. Die Tatsache, dass potentiellen Studenten immer mehr Steine in den Weg gelegt werden (Stichwort Studiengebühren), sorgt dafür, dass immer mehr Abiturienten auf den außerakademischen Arbeitsmarkt drängen. Als Folge davon schwindet die Zahl der akademischen Fachkräfte.
Aber statt die Bildung wirklich sinnvoll zu reformieren, setzen unsere Regierungen seit Jahren auf den Import ausländischer Fachkräfte. Aber auch dazu mehr in einem der kommenden Artikel.
Ein weiterer Knackpunkt ist die Kurzsichtigkeit in Bezug auf die Familienpolitik. Unsere Politiker denken streng nach dem Schema: je größer die Zahl der Arbeitnehmer, desto höher die Steuereinnahmen. Aus dem Grund werden mittlerweile selbst Alleinerziehende regelrecht in den Arbeitsmarkt „gepresst“, sobald der Nachwuchs das Alter für die Kinderkrippe/den Kindergarten erreicht hat. Dazu kommt noch die Tatsache, dass in immer mehr Familien, besonders aus der unteren und mittleren Bildungsschicht, beide Elternteile arbeiten müssen, weil das Einkommen sonst nicht mehr zum Leben reicht. Das hat nicht nur Einfluss auf auf die Familie und das Bildungsniveau (Stichwort Kindervernachlässigung), sondern wirkt sich als weiterer Negativfaktor auf den Arbeitsmarkt aus.
Das Fehlkonzept des 1-Euro-Jobs können wir gleich noch dazu addieren. Ursprünglich als Wiedereingliederungsmaßnahme geplant, werden Arbeitslose mittlerweile von einem 1-Euro-Job in den nächsten geschickt und einige Organisationen und Unternehmen haben diese Billigjobber zum festen Bestandteil ihrer Planung gemacht.
Fazit:
Im Einzelnen betrachtet hätten vielleicht einige der hier angeführten Punkte gar keine so gewaltigen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Aber es ist die Summe der Faktoren, die erst das fatale Gesamtbild ergibt. Hier wäre es der Politik angeraten, nicht nur den eigenen Standpunkt zu überdenken, sondern sich mit Industrie, Wirtschaft und Gewerkschaften neue Systeme zu entwickeln, die nicht auf reine Gewinnmaximierung ausgerichtet sind, sondern eine fortschrittlicher und sozialverträglicher orientiert sind.
Soviel dazu. Morgen dann Teil 3:
Subventioniertes Lohndumping – der Staat ruiniert sich selbst
< Der schlechte Ruf der Arbeitslosen – ein Spiegelbild verfehlter Politik (Serie Teil 1) | Subventioniertes Lohndumping – der Staat ist blind und dumm (Serie Teil 3) >





http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29286/1.html
LG ppp