In der Diskussion um die Verwendung realer Namen in den Spieleforen des Unternehmens Activision Blizzard (u.a. Starcraft-Serie, Warcraft-Serie, Diablo-Serie und World of Warcraft) reißen die Proteste nicht ab. Auch in immer mehr Medien finden sich mittlerweile
kritische Berichte über die geplante Datenschleuderei ohne Zustimmung der Spieler.
Während der Protestthread im US-Forum die 2000-Seiten-Marke mittlerweile massiv überschritten hat, nähert sich man sich in Deutschland der 600er Marke. Bei 20 Posts pro Seite eine stolze Zahl, die es in der Geschichte der Blizzard-Foren in dieser Höhe noch nicht gegeben hat. In dieser emotional geführten Diskussion finden sich mittlerweile auch internationale Spielergruppen zusammen. So demonstrieren Spieler verschiedener Nationalitäten mittlerweile Solidarität, indem sie per Crossposting verlauten lassen, dass auch in ihren regionalen Foren das Thema hoch kocht und die Pläne nicht akzeptiert werden:
Together against Real ID !
You're not alone.
Greetings from [Name des entsprechenden Landes]
Auch wenn es emotional sehr heiß her geht, sehen einige der Spieler die Angelegenheit durchaus sachlich und realistisch, wie beispielsweise der Spieler
Curan:
Jeder einzeln Kunde ist den Verkauf und die Analyse wert.
Als Teil der Kunden von BA (BA = Blizzard Activision, Anm. von mir) ist diese Beschwerdegruppe natürlich eingeschlossen.
Ihre Daten sind potentielles Marktkapital. Die Daten von ihnen und den restlichen 99% sind allerdings noch mehr wert.
Und die Daten von ihnen in Kombination mit einer vernetzwerkten Spielerschaft die ein Werbeselbstläufer ist, eine saubere Fusion und Zusammenarbeit mit Plattformen wie Facebook und Co erlaubt, Werbeflächenverkaufspotential an Drittanbieter bietet ist noch mehr wert.
Es gibt keine "Moralfrage" in einem Management eines Milliardenkonzerns. Es geht darum Umsatzzahlen zu maximieren.
Der Protest ist der Ausdruck einer extremen Minorität.
Dieser kann aber einfach ignoriert werden, da ihre Zahl einfach so gering ist und ihre Verlust absolut akzeptabel im Vergleich zu dem Potentiellen Gewinn an Neukunden und dem Aufbau einer neuen Kundenschaft in Verbindung mit einem neuen geeigneteren Konsumentenbewusstsein. Die Inkludierung und Anpassung an eine dem Umgang mit Privatsphäre derart desensibilisierten Gemeinschaft wie Facebook ist da auch ein extrem erstrebenswertes Ziel was Gewinnmaximierung angeht.
Oder anders gesagt:
Liebhaber von Privatsphäre und Selbstkontrolle sind ein nicht mehr aktuelles Modell an Kunde das sich durch ein neues gut ersetzen lässt das bereits in Massenproduktion gegangen ist.
Zumal die starke Mehrheit des Kundenstocks sich gerne erneuern und umerziehen läßt.
Betrachtet man
den aktuellen Aktienkurs von Activision Blizzard, so scheint Curan nicht falsch zu liegen. Trotz negativer Berichterstattung in den Medien unterliegt die Aktie nur den normalen täglichen Indexschwankungen. Das Vorhaben, den Datenschutz auszuhebeln schreckt die Aktionäre bislang nicht ab.
Im Forum selbst sind die Reaktionen des Unternehmens eher bescheiden. Nachdem sich gestern nahezu keine Reaktion fand, beschränken sich die heutigen Statements der CM (Community Manager) auf Postings wie:
Danke für das konstruktive Feedback, das wir in diesem Beitrag erhalten haben. Wir sind sehr damit beschäftigt, eure Antworten zu lesen und zu sammeln, deswegen können wir im Moment nicht so oft und umfassend antworten, wie wir gerne möchten. Wir sind aber noch immer hier.
Auch die Nachfrage diverser Spieler, wann mit einer offiziellen Stellungnahme zu rechnen sei, fiel eher unbefriedigend aus:
...wir haben nicht immer sofort die Antwort auf jede Frage parat. Manchmal müssen wir alle ein bisschen geduldig sein – die gleiche Frage immer und immer wieder zu wiederholen lässt die Uhr aber auch nicht schneller ticken.
Alles in allem wird es wohl langfristig darauf hinauslaufen, dass ein Teil der Spieler ihre Mitgliedschaft bei Blizzard beenden, der Großteil jedoch bleiben wird, ohne Rücksicht auf private Daten. Den finanziellen Verlust der gehenden Spieler wird Activision Blizzard durch die Nutzung der persönlichen Daten zu Werbezwecken und die Weitergabe an Facebook nicht nur kompensieren, sondern bei weitem übertreffen.
Zumindest bis es zur ersten Panne kommt und sie
wird kommen...