SpOn bringt heute einen Artikel mit dem Titel
Blogger müssen besser werden. In diesem Artikel wird darüber berichtet, dass die amerikanische University of Missouri aufgrund einer Studie mehr Qualität von Bloggern erwarten, gegebenenfalls durch den Einsatz von Personal.
Bemerkenswert ist dabei der Umstand, den die Universität für diese "nötige" Qualitätssteigerung verantwortlich macht:
Durch Einsparungen in den klassischen Medienunternehmen ist eine ausreichende Nachrichtenversorgung in Gefahr[...]
Oder um es anders auszudrücken: Blogger sollen, wenn es nach der Studie geht, zukünftig Geld in Personal investieren, welches die professionellen Medien einsparen, indem sie u.a. Personal reduzieren. Wie die Blogger dieses Personal finanzieren können, ohne selbst in die Verfahrensschublade der traditionellen Medien zu rutschen lässt die Studie dabei anscheinend offen.
Abenteuerlich mutet dagegen folgende Aussage an:
"Wenn Medienunternehmen zu weiteren Einschnitten gezwungen werden und nicht mehr in der Lage sind, die gleiche Informationsabdeckung für ihre Gemeinde zu liefern wie früher, wird der Bürgerjournalismus möglicherweise einspringen müssen"
Hm, Blogger sollen also dafür herhalten, dass die Medienunternehmen rationalisieren, bzw. nicht ordentlich wirtschaften können?
Ich persönlich verzichte gern auf "Professionalität" bei Bloggern. Im Gegenteil, ich schätze an Blogs besonders, dass sie nicht neutral und sachlich sind und dass die Autoren eigene Meinungen und Emotionen einfließen lassen. Der professionelle Journalismus heute zeigt eins besonders: gleichgespülte Agenturmeldungen, die in nahezu allen traditionellen Medien nahezu gleich lautend und zeitgleich erscheinen steigern nicht die Qualität der Berichterstattung, sondern sorgen für Einbrüche in den Verkaufszahlen. Denn warum sollte sich ein interessierter Leser 3 verschiedene Zeitungen kaufen, wenn in allen die gleichen Berichte nahezu identisch zu finden sind?
Früher holte ich mir die FAZ, las dort die aktuellen Themen und griff anschließend zur Süddeutschen, um mir durchzulesen, wie die dortigen Journalisten die Sachlage sehen. Damals flossen noch sehr viel eigene Meinungen in die Berichte ein. Meinungen, wie man sie heute nur noch in einigen wenigen Kolumnen findet. Diese Art des interessanten Journalismus fehlt mir. Den Ersatz dafür hole ich mir - in Blogs, teilweise sogar in Blogs, die von Journalisten betrieben werden.
Wenn beispielsweise etwas gravierendes im Bereich "Medien" zu vermelden ist, dann kommt es schonmal vor, dass ich zunächst bei
Stefan Niggemeier vorbei schaue, anschließend
Thomas Knüwer besuche und letztlich nochmal schaue, was
Medienrauschen von der Sache hält.
Okay, es ist nicht garantiert, dass alle mich interessierenden Fachblogger auch über die gleiche Sache schreiben. Wenn es jedoch der Fall ist, ergeben sich im Normalfall völlig verschiedene Berichterstattungen mit teilweise völlig verschiedenen Ansatzpunkten. Und gerade das ist es, was Blogs für mich ausmacht: Individuelle Berichterstattung statt Fließbandmeldungen aus Agenturen, die teilweise sogar fehlerhaft sind und entsprechend fehlerbehaftet und ungeprüft von zig verschiedenen Traditionsmedien weitergegeben werden.
Egal was diese Studie auch sagt, ich sehe als "Laie" das Problem eher darin, dass die traditionellen Medien sich zu lange auf ihren Lorbeeren ausgeruht haben und die Berichterstattung durch das Abschreiben von Agenturmeldungen einfach uninteressant und für den Leser langweilig geworden ist. Dementsprechend lautet mein Fazit auch eher:
Traditionelle Medien müssen besser werden...